Ein Tag in Banff und den Rocky Mountains

Morgens 7:30 Uhr, aufwachen im Camper. Am Straßenrand, Autos fahren vorüber und Fußgänger laufen vorbei. Ich schlüpfe in meine Hose und schäle mich aus dem Auto. Schuhe anziehen, einmal strecken, Sachen zusammenraffen und in den Aufenthaltsraum des Hostels auf der anderen Straßenseite gehen.

Das Thermometer hat bereits angenehme 12°C erreicht und der Himmel ist blau. Es verspricht heute heiss zu werden. Im Hostel ist es noch wärmer und man kann sich angenehm mit MacBook im Empfang niederlassen. Kostenloses WiFi und Strom sind vorhanden. Ich bin in Banff, Alberta, Kanada. Ein Blick aus dem Fenster zeigt mir die Rocky Mountains, die einladend aussehen. Erst die Arbeit erledigen.

Ich brauche Mitfahrer nach Whitehorse. Je spezieller die Wünsche, desto schwieriger die Suche, so habe ich mich mittlerweile zwar darauf versteift Anzeigen für Mitfahrer bis Alaska aufzugeben aber grundsätzlich reicht es jemanden zu finden der bis Whitehorse mitfährt. Von Banff bis Whitehorse sind es ca. 2250 km, also drei Tage Fahrt. Das will ich nicht alleine zurücklegen.

Es ist mittlerweile 8:15 Uhr. Nachdem ich meine Sachen zusammen gesammelt habe und den Waschraum des Hostels benutzt habe sitze ich nun im Aufenthaltsraum. Was liegt also an? Schon seit zwei Wochen hatte ich eine Zusage von einem deutschen Pärchen das bis Alaska mitfahren wollte. Die beiden sind kürzlich abgesprungen weil sie zum einen festgestellt haben, dass sie doch noch länger auf Vancouver Island bleiben als gedacht und zum anderen Angst hatten dass die Reise zu anstrengend werden könnte da sie nicht Richtig für Alaska ausgerüstet sind. Ich nehme das mit gemischten Gefühlen auf. Nun habe ich zwar keine Mitfahrer für Alaska mehr aber dafür ist das Gefühl abenteurunlustige Kinder rumfahren zu müssen nun auch weg. Dafür geht die Suche wieder los.

Ich habe gestern Aushänge in den lokalen Hostels gemacht, Anzeigen bei Kijiji und Craigslist geschaltet und in alle sieben Facebook Gruppen Gesuche gepostet. Nun prüfe ich mal kurz was es für Ergebnisse gibt.

Mitfahrer für eine Fahrt nach Whitehorse organisieren

Als erstes bekomme ich per eMail eine Anfrage wann ich nun durch Winnipeg komme und ob ich noch einen Platz bis Calgary frei habe. Das ist eine Antwort auf eine veraltete Anzeige bei Kijiji die ich nicht gelöscht habe. Ich antworte, dass ich vor drei Tagen durch Winnipeg gekommen bin, mein Auto eh schon voll war und ich es durchaus bedaure in diesem Fall nicht hilfreich sein zu können.

Facebook meldet mir über ein dutzend Neuigkeiten seit gestern abend. Drei davon besagen dass Leute meine Anzeigen gut finden (Facebook Like). Ich frage mich was sie damit sagen wollen.

Eine Nachricht von Nadine, sie sagt die Spritpreise in Alaska sind zwar hoch aber günstiger als in Kanada. Direkt hinter der Grenze soll eine Gallone 4,20 USD kosten, landeinwärts wird es jedoch billiger. Ich bedanke mich für die Informationen und frage wo sie momentan ist.

Eine Nachricht von Alisa, sie schreibt auf welchem Highway sie momentan mit ihren Freunden unterwegs ist. Wenn ich Glück habe kann ich sie in ein paar Tagen treffen. Ich warte mit einer Antwort noch bis ich weiss wo ich sein werde.

Eine Nachricht von Tanja, länger als einen Tag in New York zu sein hat ihr nicht so recht gefallen aber sie ist gerade mit dem Bus in die nächste Stadt unterwegs. Ich bedauere ein wenig, dass wir in vollkommen verschiedene Richtungen reise da sie sicher ein großartige Reisebegleitung wäre. Ich wünsche ihr eine gute Reise.

Eine Nachricht von Mirco, er findet das Gesuch für eine Fahrt nach Alaska interessant, ist aber momentan noch in Calgary und hat nicht die Richtige Ausrüstung für Alaska. Ich schreibe ihm, dass ich am übernächsten Abend nach Calgary komme und ihn in seinem Hostel treffen könnte um alles zu besprechen. Eine Antwort lässt nicht lange auf sich warten und er schickt mir einen Link nach Google Maps auf dem sein Standort markiert ist. Wir wollen zwei Tage später nochmal sprechen, da bis dahin noch viel passieren kann.

Eine Kontaktanfrage von jemandem den ich nicht kenne wird angezeigt. Ich sehe mir ihre Facebook Seite an und stelle fest, dass ich sie vor einiger Zeit kennengelernt habe als wir nebeneinander vor einem Walmart gecampt und uns recht lange unterhalten haben. Kontaktanfrage akzeptiert und gefragt wie es ihr geht und wo sie ist.

Damit sind alle wichtigen Neuigkeiten abgearbeitet. Es ist zwar einiges passiert aber es gab nur eine Anfrage für die Mitfahrt und diese scheint recht eingeschränktes Interesse zu haben.

Pause auf einem Berg

Die Zeit ist schneller vergangen als gedacht und so geht es jetzt schon auf 10 Uhr zu. Meine technischen Geräte haben in der Zwischenzeit alle geladen. Ich packe also zusammen und gehe zu meinem Auto. Dort mache ich ein spartanisches Frühstück, räume alles zusammen und fahre zur Tourist Information.

Der Blick vom Tunnel Mountain. Allerdings nicht über Banff sondern auf seine Rückseite

Der Blick vom Tunnel Mountain. Allerdings nicht über Banff sondern auf seine Rückseite

Mein Plan ist eine Halbtagswanderung zu machen, da ich am Nachmittag Maik treffe mit dem ich gern die zweite Hälfte des Tages auf einen Berg steigen möchte. Wir haben uns erst vor kurzem kennen gelernt, da er auf mein Gesucht bei Facebook (Fahrt nach Alaska) reagiert hat, letztlich jedoch entschieden hat, nun erstmal zu arbeiten. Trotzdem haben wir uns am Abend noch getroffen und mit ein paar Bier am Fluss bei Banff über alles mögliche ausgetauscht.

Die Tourist Information ist im Bahnhof von Banff. Dort wird mir mitgeteilt, dass die Gegend um Banff momentan gefährdet ist da viele Bären unterwegs sind die kürzlich aus dem Winterschlaf erwacht sind und jetzt nach Nahrung suchen und Paarungszeit haben. Ein seltsames Gefühl gesagt zu bekommen dass ich mich im schlimmsten Fall mit Händen und Füssen gegen den Angriff eines Bären wehren muss. Mit der Einstellung, dass so etwas aber immer nur anderen Leuten passiert, wiege ich mich in relative Sicherheit. Letztlich bekomme ich einen Wanderweg ca. 8 km ausserhalb von Banff empfohlen. Ich fahre prompt dort hin, steige zwei stunden den Berg rauf, genieße oben den Blick auf das Tal und steige anschließend eine Stunde wieder runter. Für eine kleine Wanderung am Morgen genau das richtige. Nach einem Snack fahre ich zurück ins Hostel und lasse mich wieder im Aufenthaltsraum nieder, um ein Video aus meinem gesammelten Material zu schneiden während ich auf Maik warte.

Manche Mitfahrer sind eine Nummer für sich

Eine neue eMail. Ich bekomme relativ viele überflüssige Meldungen von sozialen Netzwerken, diesmal ist es aber eine Antwort auf mein Gesuch, das ich in den Hostels ausgehangen habe. Dimitri möchte mitkommen nach Alaska. Dimitri, wo bist du denn gerade? Dimitri ist im Hostel auf der anderen Straßenseite. Dimitri, komm doch einfach ins Samesun Hostel und wir können uns unterhalten. Dimitri erscheint nach fünf Minuten im Aufenthaltsraum. Er trägt kurze Hosen, ein T-Shirt und stammt aus Quebec. Seine Kleidung wirft Fragen auf. Dimitri, hast du auch warme Sachen, also Pullover und Jacken und dergleichen? Dimitri hat nur kurze Sachen. Dimitri, hast du denn ein Zelt oder zumindest einen Schlafsack? Dimitri hat nichts dergleichen aber Dimitri ist bereit alles einzukaufen. Dimitri, wie wäre es wenn du mal prüfst ob du alle Sachen einkaufen kannst und dich dann meldest? Dimitri ist bereit und will sich am Abend melden. Ich gehe davon aus Dimitri nie wieder zu sehen und bin auch irgendwie nicht traurig darum. Ich habe nichts gegen Dimitri aber er sollte vielleicht besser einen Strandurlaub machen.

Isabel, die auf jeden Fall bis Whitehorse mitfahren möchte hat mir potenzielle Mitfahrer, die sie bei Kijiji gefunden hat zugeschickt und ich kontaktiere alle der Reihe nach. Marc ist einer von ihnen. Er antwortet nach kurzer Zeit und schickt mir seine Telefonnummer um alles weitere zu besprechen. Da ich keine lokale Telefonnummer habe kaufe ich für 10 Euro Skype Guthaben ein und rufe ihn über das Internet wesentlich kostengünstiger an als es mit einem lokalen Telefon möglich wäre. Marc ist interessiert noch diesen Samstag aufzubrechen, nur verstehe ich ihn akustisch kaum und so verständigen wir uns darauf alle verbleibenden Fragen per eMail zu klären.

Bei Facebook bekomme ich eine neue Mitteilung bei Facebook. Mirco sagt ab, da er von zwei Mädels in die nahen Nationalparks mitgenommen werden kann. Ich freue mich für ihn, wir bedanken uns mit gegenseitigem Verständnis beieinander und wünschen einander gute Reise. Das kommt mir eh gelegen, da mein Auto nun mit Isabel und Marc eigentlich voll ist.

Da Maik Verspätung hat schreibe ich ihm, dass ich noch mal zum Outdoor laden, Atmosphere, gehe und mache mich auf den Weg. Im Geschäft kaufe ich mit Brendens Mitarbeiterkarte GoPro Zubehör zum halben Preis und gehe zum Hostel zurück. Dort angekommen setze ich mich wieder mit meinem Notebook in den Aufenthaltsraum.

Eine neue Nachrichten. Maik ist unterwegs zum Hostel. Ausserdem kann Dimitri sich warme Sachen und Campingausrüstung nicht leisten und sagt daher hab. Irgendwie schade aber es ergibt einfach keinen Sinn mit kurzen Hosen nach Alaska zu gehen.

Nach getaner Arbeit wieder auf einen Berg

Ich treffe Maik und wir entscheiden uns für einen Berg in der Umgebung, fahren hin und steigen drauf. Anschließend fahren wir nach Tim Hortons am Ortseingang von Banff zurück und lassen uns dort auf einen Kaffee nieder. Da Maik von seiner Arbeit nun ein Hotelzimmer gestellt bekommt, bietet er mir an seine Dusche zu benutzen. Eine Dusche ist ja mittlerweile schon zu einem seltenen Luxus geworden also packe ich später noch ein paar frische Sachen ein, nehme die Gelegenheit zu duschen wahr und plane morgen meine Wäsche zu waschen. Da ich meine Mitfahrer erst in drei Tagen in Calgary treffe ist noch genug Zeit sich an den Ort zu gewöhnen – oder Abschied zu nehmen. Wie man’s nimmt.

Wenn Maik schon mit meiner GoPro rumspielt landet er nun auch auf meinem Blog :-D

Wenn Maik schon mit meiner GoPro rumspielt landet er nun auch auf meinem Blog 😀

Am Abend verschwinde ich wieder in meinem Van und campe an einem ruhigen Ort. War es ein erfolgreicher Tag? Immerhin habe ich zwei kleine Wanderungen gemacht, einen weiteren Mitfahrer nach Whitehorse gefunden, war den halben Tag mit Maik unterwegs und habe ein paar administrative Dinge erledigt. Viel mehr lässt sich nicht in einen Tag packen, also nenne ich es einen Erfolg und schlafe entspannt ein.

Bis bald!

2 Gedanken zu „Ein Tag in Banff und den Rocky Mountains

    • Es sind immer weniger Leute unterwegs. In ganz Yukon gibt es nur 36000 Einwohner. Aber es findet sich immer was 😉

Was ist Deine Meinung zu dem Thema? Lass mir eine Nachricht da!