Mein erster und letzter Hummer

Werde ich am Ende doch Vegetarier? Ich habe es bisher nicht geplant, allerdings empfinde ich den Verzehr eines Hummers als sehr zweifelhaftes Vergnügen.

Twilingate, Neufundland, perfekter Ort für den Verzehr eines Hummers

Alles ist perfekt. Ich bin mit Freunden auf Neufundland, Kanada. Wir sind tagelang am Ozean entlang gefahren und haben zahlreiche Fischer gesehen wie sie gerade ihre Hummerfallen aus dem Wasser ziehen. So langsam wird es aber zeit über etwas zu Essen nachzudenken und was gäbe es da passenderes als zum meinen ersten Hummer zu probieren. Bisher habe ich davon abgesehen, da ich manche Ereignisse gerne als etwas ganz besonderes im Gedächtnis behalten möchte aber ich denke noch perfekter als hier und jetzt wird es wohl kaum werden.

Vor Twillingate, Neufundland, finden wir ein urig eingerichtetes Restaurant, durch deren große Panoramafenster wir einen wunderbaren Blick auf das offene Wasser der Notre Dame Bay haben. Nebenan ist die Vorratskammer in der in einer Art großem Aquarium zahlreiche Hummer gehalten werden. Der Koch fischt gerade ein paar von ihnen heraus, packt sie in eine große Styroporbox und ich mache schnell ein Foto.

Die Hummer wurden aus dem Wasser gefischt und tummeln sich in einer Box

Die Hummer wurden aus dem Wasser gefischt und tummeln sich in einer Box

Nach einer halben Stunde bekomme ich den roten Hummer vorgesetzt und mache direkt alle obligatorischen Fotos. Auf dem Rand des Tellers ist eine Anleitung abgebildet wie man einen Hummer am besten zerlegt. Beginnend bei den Scheren, die mit einem Nussknacker geöffnet werden, arbeitet man sich in den Torso vor, bricht Stück für Stück die Körperteile des Hummers auseinander und hinterlässt ein Schlachtfeld.

Fertig präpariert, wurderbares Ambiente, alles ist prima

Fertig präpariert, wurderbares Ambiente, alles ist prima

Im Anschluss bekomme ich noch einen Kuchen nach Wunsch serviert und das Mahl ist perfekt. Allerdings überlege ich nun, da ich den Artikel schreibe und Fotos anschaue, welcher der unglücklichen Kameraden in der Schachtel auf meinem Teller gelandet ist.

Fazit

Einen Hummer zu essen ist ein zweischneidiges Schwert. Auf der einen Seite schmeckt das Fleisch ausgezeichnet und die komplizierte Art an sein Essen zu kommen ist auch eine Form von Spaß. Auf der anderen Seite starrt mich der Hummer, der vor einer halben Stunde noch lebendig umhermarschiert ist, nun durch seine toten Augen an und ich werde seine Gott gegebenen Schutzmechanismen gleich Stück für Stück auseinander nehmen.

Trotz allem darf ein obligatorisches "been there, done that" Foto nicht fehlen

Trotz allem darf ein obligatorisches „been there, done that“ Foto nicht fehlen

Es ist der perfekte Ort, die bester Zeit und ideale Gesellschaft (Ich bin nicht der erste von uns, der hier seinen ersten Hummer verspeist), um einen Hummer zu genießen. Genau das mache ich also, genieße es und entscheide mich dass es auch mein letzter ist.

4 Gedanken zu „Mein erster und letzter Hummer

    • Du hast recht. Die Vegetarier werden jetzt sagen: gibt es doch. Aber ein leckeres Stück Fleisch kann man halt nicht ersetzen 😉

    • Machs einfach wie ich und heb es dir für einen besonderen Moment auf. Ich denke auch wenn man es nicht so toll findet das Tier am Stück zu sehen und zu zerlegen sollte man es einmal gemacht haben. Aber eben nicht unbedingt im Ruhrpott mit Blick auf einen Aldi sondern an einem schönen Ort 🙂

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