Was erwartet Dich eigentlich in Sunshine Village?

Wenn Du in Kanada unterwegs bist und für den Winter planst in einem Skigebiet zu arbeiten, dann geht es Dir wie mir damals. Bei der ersten Saison ist aber nicht klar, was Dich überhaupt erwartet. Deshalb habe so viele Fakten wie möglich über Sunshine Village zusammen getragen, um sie hier mit Dir zu teilen.

1. Über Sunshine Village

Das Gebiet liegt in den Rocky Mountains auf der Grenze zwischen British Columbia und Alberta wobei das Resort an zu Alberta gehört, Teile der Pisten aber in BC liegen. Banff ist die nächste Ortschaft und liegt wie Sunshine in einem Nationalpark. Das bedeutet sehr strikte Regelungen bezüglich Häuserbau und erklärt, weshalb Banff wesentlich kleiner als das außerhalb des Parks liegende Canmore ist.

Auf einer Höhe zwischen 1,660 m und 2,730 m werden jede Saison ungefähr 10 m Schnee erwartet. Von einer Gondel und 9 Sesselliften werden bis maximal 20,000 Personen pro Stunde auf ungefähr 120 Pisten befördert. Die Pisten sind etwa zur Hälfte als einfach bis Medium und zur anderen Hälfte als schwer bis sehr schwer klassifiziert.

Sunshine Village liegt im Banff National Park. Banff und Canmore sind die nächsten Ortschaften

1.1 Freizeitmöglichkeiten

Weshalb will man eigentlich in Sunshine Village arbeiten? Die Antwort ist einfach: kostenloser Wintersport die ganze Saison lang. Jeder Mitarbeiter kann seinen Mitarbeiterausweis auch als Liftkarte verwenden und jederzeit jeden Lift im Resort benutzen.

Es ist soweit, fast alle Pisten sind offen! Wir sind begeistert wie nie!

Es ist soweit, fast alle Pisten sind offen! Wir sind begeistert wie nie!

Sunshine bietet aber mehr also nur im eigenen Gebiete kostenlos zu fahren. Es gibt Kooperationen mit anderen Skigebieten, die kostenloses oder vergünstigtes Ski-Fahren in kooperierenden Gebieten zulässt. In der Saison 2014/15 waren die folgenden Gebiete eingeschlossen:

  • Lake Louise Ski Resort, unbeschränkt kostenlos
  • Kimberley Alpine Resort, unbeschränkt kostenlos
  • Fernie Alpine Resort, unbeschränkt kostenlos
  • Kicking Horse Mountain Resort, unbeschränkt kostenlos
  • Edmonton Ski Club, unbeschränkt kostenlos
  • Marmot Basin, unbeschränkt kostenlos
  • Nakiska Ski Area, unbeschränkt kostenlos
  • Norquay, unbeschränkt kostenlos
  • Snow Valley, unbeschränkt kostenlos
  • Panorama Mountain Resort, 2 Besuche kostenlos, danach 50% off
  • Big White Ski Resort, 2 Besuche kostenlos, danach 50% off
  • Revelstoke Mountain Resort, 1 Besuch kostenlos, danach 50% off
  • Whitewater Ski Resort, 1 Besuch kostenlos, danach 50% off
Tipp: Ein eigenes Auto ist auch im Winter Gold wert. Andere Resorts zu erreichen ist einfacher und günstiger.
Beitrag zur Fotoparade, Snow Ghosts in Big White, British Columbia

In Big White kann man auf dem höchsten Berg die Snow Ghosts besuchen

Abgesehen von der Möglichkeit andere Resorts zu besuchen werden jeden Monat Aktivitäten für die Mitarbeiter geplant. Die nachfolgende Liste wurde für März 2015 für sämtliche Mitarbeiter veröffentlicht und mir sind leider nicht mehr alle Preise bekannt:

  • Trip nach Big White, drei Tage
  • Besuch vom Calgary Zoo, 50$
  • Besuch der Edmonton Shopping Mall
  • Ice Fishing, 180$
  • Snowmobiling, 165$
  • Kicking Horse Day Trip, 30$
  • Ice Climbing, 130$

Spezielle On-hill events sind für Mitarbeiter die in den Unterkünften in den Bergen wohnen. Es ist möglich Leute auf den Berg einzuladen (auf dem Boden schlafen), so kann jeder an den weiteren Veranstaltungen teilnehmen. Da sich Banff aber nachts und vor allem Sonntags (sunday funday) in eine Partymeile verwandelt ist das Interesse hier normalerweise gering. Trotzdem eine Reihe von Aktivitäten On-hill um eine Idee zu bekommen:

  • Pool Competition in der Dorfkneipe
  • Trivial Pursuit in der Dorfkneipe
  • Bingo in der Dorfkneipe
  • St Patricks Day Party (Themenparty) in der Dorfkneipe

1.2 Unterkunft und leben auf dem Berg

Im Dorf auf dem Berg stehen vier Gebäude für Mitarbeiter On-hill die ungefähr 160 Leuten Platz bieten. Die meisten Räume sind Doppelzimmer, Einzelzimmer sind aber auch verfügbar. Man kann nur eine Unterkunft auf dem Berg bekommen, wenn dies aufgrund der Arbeit notwendig ist. Beispielsweise bei Arbeitszeiten außerhalb der Lift-Öffnungszeiten ist man gezwungen auf dem Berg zu wohnen.

Sunshine Village

Sunshine Village. Blick aus meinem Fenster. Gegenüber ist das Hotel und die Gondel

Die Gondel läuft Samstags bis Donnerstags von 7:30am – 5:30pm und Freitags von 7:30am – 10:30pm. Für Transfer von oder nach Banff gibt es einen kostenlosen Mitarbeiter Bus der täglich mehrmals unterwegs ist.

Unterkunft kostet 140$ pro 14 Tage für ein Doppelzimmer und dieser Betrag wird vor Auszahlung vom Gehalt abgezogen. Ein Einzelzimmer kostet analog 210$ für 14 Tage. Kostenloses Internet ist vorhanden jedoch zu Hochzeiten sehr langsam. Außerhalb der Hochzeiten, also beispielsweise mitten in der Nacht, sind Dienste wie Skype durchaus möglich.

Im Staff-Caff, dem Restaurant für die Mitarbeiter, bekommt man drei mal täglich eine warme Mahlzeit. Ein Frühstücksmenü kostet 5$, Mittagessen 6$ und Abendessen 7$. Zu jeder Mahlzeit das komplette Menü zu essen ist allerdings wesentlich zu viel und Du solltest am Tag eher mit ungefähr 10$ für Verpflegung rechnen.

1.3 Vergünstigungen

Abgesehen vom Season Pass, dem Saisonticket, kannst Du als Mitarbeiter noch andere Vergünstigungen in Anspruch nehmen. So findet zu Saisonbeginn ein Räumungsverkauf der Restbestände vom Vorjahr statt, bei dem sämtliche Kleidungsstücke (Ski und Snowboards werden nicht verkauft) um 50% reduziert verkauft werden. Ich habe mir hier einen neuen Helm, Ski Jacke, Handschuhe und Skimaske gekauft und ca. 250$ gespart. Für Neuware lohnt sich dies sehr. Weitere Vergünstigungen sind die folgenden:

  • Im Retail einkaufen: 20% Discount
  • Skiverleih: 25% Discount
  • Food and Beverage: 25% Discount außer Alkohol
  • Ski and Snowboard Schule: 75% Discount für Gruppen; 25% Discount für Privatstunden
  • Sunshine Mountain Lodge: 50% Discount für Zimmerpreise für Freunde & Familie

2. Der Bewerbungsprozess

Was Sunshine Village alles bietet klingt gut, aber wie läuft die Bewerbung nun? Entweder du bewirbst Dich direkt auf eine angebotene Stelle, oder für die Jobmesse wo Du für einen Job eingeteilt wirst.

2.1 Bewerbung

Ich habe am 19. September meine Bewerbung zur Banff Hiring Fair abgeschickt. Grundsätzlich empfehle ich Dir aber Deine Bewerbung möglichst zeitig abzuschicken.

Tipp: Schaue regelmäßig auf der Website (zur Website) von Sunshine Village nach offenen Stellen. Aktuell (Juli 2016) sind Stellen und Jobmessen ausgeschrieben.

Eine Bewerbung hast Du ja bereits von der Beantragung Deines Visums. In einem weiteren Artikel gebe ich Dir ein paar Tipps und Beispiel zu einer Bewerbung in einem Skigebiet (zum Artikel).

2.2 Die Hiring Fairs

Ich erzähle Dir am besten kurz wie der Besuch für mich abgelaufen ist: Ich fand mich wie dutzende anderer Bewerber im HI Hostel Banff zur Massenabfertigung ein. Im gut gefüllten Empfangssaal herrschte reger Durchgangsverkehr, vorhandene Leute wurden aufgerufen und weitere Leute kamen an. Ich gab drei Präferenzen für meine Beschäftigung an. Aus Gesprächen wusste ich, dass Stellen als Lift Operator extrem begehrt waren und wählte Verkäufer, Hausmeister und Koch (unqualifiziert), um meine Chancen zu erhöhen.

Dann war ich an der Reihe. Das Interview war eher ein Aufnahme meiner persönlichen Daten, allem voran die Arbeitserlaubnis des Working Holiday Visums. Frage nach persönlichen Fähigkeiten waren oberflächlich und nach Aufzählung meiner prominenten drei Adjektive schnell, zuverlässig und motiviert war das Gespräch beendet und ich wurde bereits meiner zukünftigen Chefin vorgestellt. Wir sprachen über generelle Dinge wie die zu erwartende Temperatur, körperliche Arbeit und wohnen im Skigebiet.

3. Allgemeine Tipps

Es gibt ein paar Dinge, die man mich immer wieder zur Arbeit fragt und die für Dich vielleicht auch interessant sind.

  1. Deine Englischkenntnisse müssen nicht perfekt sein. Schulenglisch reicht völlig aus. Sprichst du ständig Englisch, dann verbessern sich deine Sprachkenntnisse ganz von allein. Deutsche Reisende, die ich in Sunshine Village kennen gelernt habe, haben sich stark in ihren Fähigkeiten unterschieden aber niemand hatte Kommunikationsprobleme.
  2. Die Kälte in Kanada sollte nicht unterschätzt werden. Natürlich kann man sich dick anziehen, steht man jedoch acht Stunden am Tag bei -30°C am Lift, wird es nun mal kalt. Ich empfehle dir deshalb gut zu überlegen welche Jobs für dich in Frage kommen. Viele Mitarbeiter werden im Gastronomiebereich und für den Liftbetrieb gesucht. Das eine ist eher in beheizten Innenräumen mit mehr Kundenkontakt, das andere ist im Freien mit mehr körperlicher Arbeit.
  3. Bedenke dass der Betrieb in einem Skigebiet vom Wetter abhängig ist. Schlechtes Wetter bedeutet weniger Kunden und das wiederum bedeutet, dass der Skilehrer nicht bezahlt wird, Lifte geschlossen bleiben und Kellner nicht benötigt werden. Das mag zunächst gut und nach viel Freizeit klingen, weil du aber laufende Kosten hast und wahrscheinlich auch Geld sparen möchtest ist es sehr ärgerlich untätig herum sitzen zu müssen. Der augenscheinlich gut bezahlte Skilehrer kann also in einer schlechten Saison nur sehr wenig Geld verdienen.
  4. Jobs mit sicherer Arbeitszeit sind Jobs in denen für die Mitarbeiter gearbeitet wird. Beispielsweise ist das Restaurant für die Mitarbeiter Wetter unabhängig immer geöffnet und du kannst sicher sein, dass du Arbeit hast und Geld sparen kannst.
  5. Freizeit wird dir auch durch deine Tätigkeit vorgegeben. Ich hatte das Glück in einer zweigeteilten Schicht zu arbeiten und damit jeden Tag die beste Zeit des Tages frei. Das ist aber nicht der Regelfall, du solltest eher von einer acht Stunden Schicht ausgehen.
  6. Ich empfehle dir keine Skiausrüstung mitzubringen. Zum einen stört sie vielleicht bei deiner Reise weil sie groß und sperrig ist, zum anderen ist es kein Problem im Skigebiet Ausrüstung zu bekommen. Bist du früh in der Saison dort, kannst du Restbestände vom letzten Jahr zum Halben Preis oder billiger einkaufen. Viele Mitarbeiter vom letzten Jahr haben ihre Ausrüstung einfach so zurückgelassen (Ich habe mein Snowboard mit Bindung und Schuhen auch einfach stehen gelassen) und mit etwas Glück bekommst du sogar kostenlos Ausrüstungsteile. In Gebrauchtläden kannst du immer ein Schnäppchen machen und wenn du wirklich nicht auf deine Ausrüstung von daheim verzichten willst gibt es den Postweg.

4. Nach der Saison

Dieser Punkt sei ebenfalls erwähnt. Die Saison in Sunshine Village ist mit 7 Monaten extrem lang. Für mich endete die Saison früher, denn mein Visum lief aus. Das war okay denn ich hatte alles erlebt und alles gemacht was in einem Skigebiet möglich ist. Die Vorfreude auf eine erneute Reise war groß.

Die meisten Mitarbeiter bereiten sich am Ende der Saison auf eine Reise vor, der Rest fliegt heim. Jeder muss die Unterkunft aufgeben und Besitz reduzieren. Man kann die Skiausrüstung wieder in Thrift Stores (2nd Hand) abgeben, verschenken, auf die Reise mitnehmen oder nach Hause schicken.

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Über den Autor

photo_2Hi, ich bin Markus. Auf vier Kontinenten habe ich mein Fernweh gestillt und unterwegs meine Freude am Vlogging entdeckt. Alle meine gesammelten Erfahrung vermittel ich Dir in meinem Blog Wander Dude.

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