Work & Travel Neuseeland | #4 Stress gegen Ende mit Nina

Kurz vor dem Ende unserer Route hat sich dann alles gedreht. Wir waren in Lake Tekapo, hatten noch vier Wochen bis Auckland, alles durchgeplant: Auto verkaufen, letzte Stops genießen, entspannt ausreisen. Und dann – morgens, ohne Vorwarnung – sprang der Van nicht mehr an. Wir saßen beide einfach nur da, im kalten Licht des frühen Tages, und wussten: Das wird teuer oder kompliziert oder beides. ADAC-Auslandsmitgliedschaft war unser Rettungsanker. Die haben uns kostenlos abgeschleppt, aber die Werkstatt konnte erst zwei Tage später draufschauen.

Totalschaden

Der Anruf war eindeutig: Totalschaden. Neuer Motor: 3000 Dollar. Lohnt sich natürlich nicht für ein Auto, das man vielleicht für 4000 Dollar hätte verkaufen können. Dieser Moment hat uns beide komplett getroffen. Wir haben so viel Zeit, Geld und Leben in dieses Auto gesteckt. Unser Bett, unser kleiner Alltag, unser Zuhause auf vier Rädern. Und dann war klar: Wir verabschieden uns davon. Der Verschrotter kam aus Christchurch, wir haben ihm noch 100 Dollar mehr rausgehandelt, einfach aus Prinzip. Dann sind wir ein letztes Mal durchgegangen, haben alles rausgeräumt, und das war’s. Eine kurze, traurige Stille, bevor wir in sein Auto gestiegen sind.

Unsere komplette Ausstattung – Kocher, Decken, Töpfe, Organizer, Kleinkram – haben wir über Facebook verschenkt. Eine andere Backpackerin, die im Winter angekommen war, hat fast alles bekommen. Irgendwie hat es sich gut angefühlt, das weiterzugeben. Der Gedanke, dass unser kleiner Haushalt in einem anderen Van weiterlebt, hat’s leichter gemacht.

Arbeiten im Winter?

Danach sind wir nach Christchurch und haben versucht, Arbeit zu finden, aber im Winter ist tote Hose. Wir hatten ein paar Gespräche, aber niemand sucht jemanden für vier Wochen. Also haben wir uns hingesetzt und geschaut, wie wir mit möglichst wenig Aufwand noch möglichst viel sehen können, ohne wieder in die volle Orga-Hölle zu rutschen. Genau da sind wir auf eine Organisation gestoßen, die komplette Ostküsten-Pakete anbietet: Buspässe, Hostels, Aktivitäten – alles flexibel, aber strukturiert genug, dass man nicht jeden Tag neu planen muss. Das war für uns der entscheidende Punkt: Wir wollten Freiheit, aber ohne wieder alles selbst koordinieren zu müssen wie in Neuseeland. Die Organisation hat uns am Telefon super beraten, keine versteckten Kosten, kein Druck. Für uns war das ein seltener Moment, in dem etwas einfach mal unkompliziert war.

Mit diesem Paket in der Hand haben wir dann Melbourne als Startpunkt gewählt und sind mit Greyhound-Bussen die komplette Küste bis Cairns hoch. Es hat sich gut angefühlt: Wir mussten uns nicht um ein Auto, keine Reparaturen, keine Stellplätze und keine Routenplanung kümmern. Die Hostels waren vorgebucht, aber trotzdem flexibel verschiebbar. Aktivitäten wie Schnorcheln, Surfen oder Wanderungen konnten wir spontan eintragen lassen, ohne Stunden zu recherchieren. Es war anstrengend, aber schön, und es hat sich richtig angefühlt, nach Monaten Camperleben jetzt nochmal eine andere Art von Backpacker-Lifestyle zu sehen.

In Cairns bin ich dann in den Flieger nach Hause gestiegen. Meine Freundin ist noch nach Bali zu ihrer Familie, die dort Urlaub gemacht hat. Bei mir war’s direkter: Flug nach Deutschland, zurück in mein Zimmer, zurück in ein Bett, das sich im ersten Moment viel zu weich angefühlt hat.

Rückblickend …

Wenn ich heute zurückblicke, merke ich, dass mich Neuseeland an völlig anderen Stellen verändert hat als erwartet. Ich habe mich total auf Fremde verlassen, die mir nichts schulden. Ich musste wirklich flexibel sein, wenn Pläne auseinanderfallen – und Flexibilität ist nichts Romantisches. Es ist nicht dieses „Wir sind frei und spontan“-Gefühl, das man vorher im Kopf hat. Es bedeutet eher, dass man im kalten Auto sitzt, weil man sein Bett verschenkt hat, und trotzdem irgendwie eine Lösung finden muss.

Das Auto, der Stress, die Arbeit, die schönen Orte, die absurden Erlebnisse – all das hat dazugehört. Und am Ende war alles stimmig. Ich bin mit einem guten Gefühl nach Hause gekommen und wenn ich die Zeit hätte würde ich jederzeit nochmal für so einen Trip nach Neuseeland reisen!