Work & Travel Neuseeland | #3 Leben im Auto mit Nina

Im dritten Teil spricht Nina über den Travel Teil ihrer Reise.

Die Westküste runterzufahren war für uns der Punkt, an dem aus „Work & Travel“ wirklich „Travel“ wurde. Wir hatten unser Auto im Griff, das Budget unter Kontrolle und endlich Zeit, ohne Druck von Ort zu Ort zu fahren. Die Nordinsel hat uns mit ihren Kontrasten komplett eingesogen. Ein Tag Vulkane und dampfende Erde, am nächsten Tag dichter Regenwald, danach wieder endlose Küsten. Wir hatten eine grobe Liste an Zielen, aber im Grunde sind wir einfach jeden Morgen losgefahren und haben geschaut, was passiert.

Vorbei an Wellington Richtung Süden

Wellington war unser Übergangspunkt zur Südinsel. Wir haben die Fähre genommen, weil wir mit Auto unterwegs waren, aber ehrlich gesagt würde ich jedem ohne Fahrzeug raten zu fliegen – es ist günstiger und spart Nerven. Trotzdem war es ein schönes Gefühl, auf diesem Wasserstreifen zwischen zwei Inselwelten zu stehen und nicht zu wissen, wie anders die Südinsel werden würde.

Und ja, sie wurde anders. Viel wilder, viel leerer, viel dramatischer. Die Westküste der Südinsel ist ein Mix aus Regen, Sonne, Gletschern und Stränden, und manchmal hat man alles innerhalb eines Tages. Wir sind bis nach Westport gekommen und wollten eigentlich nur ein paar Nächte bleiben. Am Ende waren wir dort einen ganzen Monat. Es lag am Hostel. Das war so ein typisches Surf-Hostel, voller junger Leute, alle entspannt, alle offen. Meine Freundin konnte schon surfen, ich habe dort surfen gelernt – und das waren mit die schönsten Nachmittage der ganzen Reise.

Passenderweise haben wir dort wieder im Hostel gearbeitet und umsonst geschlafen. Die Jobs wechselten täglich – Betten machen, Küche wischen, Müll rausbringen, manchmal nur Messer schleifen. Es war alles leicht, und der Besitzer war einer dieser Menschen, die einfach drauf sind wie „Ja, passt schon, mach einfach irgendwas.“ Genau die Art Gelassenheit, die man in Neuseeland überall spürt.

Man trifft sich öfter …

Wir haben auf dieser Strecke so viele Backpacker getroffen, dass sich alles irgendwann wie eine kleine Familie angefühlt hat. Und gleichzeitig merkt man, wie unterschiedlich die Lebensstile sind. Manche Leute genießen es bewusst, extrem sparsam zu leben, andere nehmen von Fallschirmspringen bis tauchen alles mi. Und dann gibt es noch die Sorte, die überall ihren Müll hinterlässt. Ich hab oft gedacht: Wenn man fair reist, bleibt Reisen länger schön. Vor allem in einem Land, das so darauf achtet, Natur und Ordnung zu schützen.

An einem DOC-Campground hat ein Ranger plötzlich an unser Auto geklopft und ganz selbstverständlich gefragt: „Kann ich mal eure Toilette sehen?“ Wir hatten das Self-Contained-Zertifikat ja, aber benutzt haben wir die Toilette nie. Ich hab sie ihm gezeigt, unbenutzt und originalverpackt – und er hat nur genickt, als wäre das der normalste Vorgang der Welt.

Nach einem Monat in Westport ging es weiter Richtung Süden – Gletscher, Seen, weite Küstenstraßen. Wir haben eine der mehrtägigen Wanderungen gemacht, die ich nie vergessen werde, obwohl sie brutal anstrengend war. Und unterwegs begegnet man denselben Leuten manchmal zwei, drei, vier Mal. Als würden alle den gleichen unsichtbaren Rhythmus folgen.

Je weiter wir fuhren, desto mehr hatten wir dieses Gefühl, dass wir es fast geschafft haben – einmal komplett durchs Land. Und gleichzeitig kam die Sorge im Hinterkopf: das Auto. Manchmal hat es Geräusche gemacht, die vorher nicht da waren. Manchmal sprang es verzögert an. Man redet sich ein, dass alles passt, aber der Gedanke bleibt.

Am Ende standen wir schon kurz davor, die große Runde abzuschließen und wieder Richtung Auckland zu fahren. Und genau da kam der Moment, der alles geändert hat.