Work & Travel Neuseeland | #2 Geld und Arbeit mit Nina

Im zweiten Teil redet Nina über Geld, Arbeit und die Planung drumherum.

Nach den Tagen im hohen Norden ging es für uns erstmal zurück in die Realität: Jobsuche. Wir sind nach Pahia in die Bay of Islands gefahren – perfekt für Arbeit im Sommer, voll mit Touristen, Kreuzfahrtschiffen und Restaurants. Genau deshalb hat’s auch gut funktioniert. Wir haben in den ersten beiden Tagen einfach jedes Restaurant, jeden Shop und jedes Hostel abgeklappert. Und ehrlich: Wenn du zur Hauptsaison da bist und halbwegs freundlich auftreten kannst, bekommst du fast überall irgendwas.

Entspannt arbeiten

Wir haben dann beide im selben Ort Jobs bekommen – als Kellnerin bzw. in einer Eisdiele. Dazu noch eine Stunde Hostelarbeit am Tag, damit wir dort umsonst wohnen konnten. Dieses Hostel war riesiges Glück. Viele Hostels bestehen darauf, dass man vormittags arbeitet, aber wir wollten ja morgens schon in unseren eigentlichen Job. Der Besitzer war entspannt und meinte: „Dann macht’s halt abends oder irgendwann zwischendurch.“ Das hat uns echt gerettet. Besonders, weil die Alternative gewesen wäre, weiter im Auto auf einer Wiese zu schlafen und die kalten Strandduschen zu benutzen. Also alles schon mal erlebt, aber so richtig angenehm ist das nicht auf Dauer.

Die Arbeitszeit war hart, aber lohnend. 60 bis 70 Stunden die Woche waren normal. Meine Freundin und ich haben am Ende beide gut verdient, vor allem weil wir kaum etwas ausgeben mussten. Essen gab es oft im Restaurant übrig oder vergünstigt, wir hatten keine Unterkunftskosten und wir haben konsequent in den billigsten Supermärkten eingekauft. Einmal war unser Highlight des Tages, dass im Hostel in der „Free Food“-Kiste eine angebrochene Packung Nudeln lag. Wir haben uns gefreut wie kleine Kinder. So ein Moment, wo man merkt, wie schnell sich die Prioritäten verschieben.

Was mich überrascht hat: Neuseeland hat keine Trinkgeldkultur. Aber deutsche Touristen geben trotzdem Trinkgeld, wenn sie bemerken, dass die Kellnerin Deutsch spricht. Das war ein lustiger Nebeneffekt, mit dem ich nicht gerechnet hatte. Ein anderes kurioses Detail: Mein Restaurant hatte eine Aktion, dass man 15 Dollar bekam, wenn jemand eine Google-Bewertung schreibt und einen namentlich positiv erwähnt. Rate mal, wie vielen Leuten ich davon erzählt habe. Ich glaube, ich habe dadurch einfach so ein paar Hundert Dollar verdient.

Mit genügend Geld weiterziehen …

Wir haben während dieser Arbeitsphase wirklich wenig ausgegeben und extrem viel gespart. Genau das, was man am Anfang braucht, wenn der Autokauf einen erstmal finanziell runtergezogen hat. Wenn ich irgendwem etwas raten müsste: Es lohnt sich so sehr, die ersten Wochen Arbeit richtig durchzuziehen. Danach reist es sich viel entspannter.

Zwischen den Arbeitswochen haben wir auch schon ein bisschen vom Norden gesehen. Kleine Trips, Wasserfälle, Strände, überall diese Mischung aus entspannten Locals und Backpackern, die genauso überfordert waren wie wir am Anfang. Eine Anekdote, über die ich heute noch lache: Wir standen einmal in einem Supermarkt ewig vor dem Marmite-Regal, weil wir dachten, es wäre irgendein spezieller neuseeländischer Brotaufstrich, den man unbedingt probieren muss. Spoiler: Muss man nicht. Ich habe selten etwas Gegessenes so schnell wieder ausgespuckt.

Nach knapp sechs Wochen Arbeit hatten wir genug Geld und genug Routine hinter uns. Es war Zeit, wirklich loszufahren. Wir haben Auckland hinter uns gelassen und sind einmal komplett die Westküste runter, immer Richtung Wellington. Je weiter man sich von Auckland entfernt, desto entspannter wird alles. Weniger Backpacker, weniger Stress, mehr Natur. Und es war das erste Mal, dass ich das Gefühl hatte: Jetzt sind wir wirklich unterwegs.