Die Auflage für 2027 lässt noch eine Weile auf sich warten. In der Zwischenzeit bekommt ihr hier einen Vorgeschmack auf eines der vielen Updates: einen neuen Erfahrungsbericht. Nina war mit 18 Jahren für einen Work & Travel Aufenthalt in Neuseeland. Ich habe mit ihr gesprochen und für euch diesen Bericht verfasst, der sich über mehrere Posts strecken wird. Dies ist nur der erste Teil. Viel Spaß!
Vorbereitung und Planung
Als ich mein Abi in der Tasche hatte, stand ich da wie viele: frei, aber planlos. Studieren wollte ich nicht sofort, eine Ausbildung fühlte sich zu eng an und irgendwas in mir wollte einfach raus – weit weg, viel sehen, viel erleben. Erst dachte ich an Lateinamerika, aber meine Freundin, mit der ich zusammen losziehen wollte, konnte kein Spanisch. Also blieb Englischsprachiges übrig. Kanada fiel raus, da war ich schon mal im Schüleraustausch. USA war wegen des Visums kompliziert und auch sonst nicht so unser Ziel. Neuseeland dagegen fühlte sich direkt richtig an: sicher, überschaubar, gut für Anfänger, keine giftigen Tiere, gute Infrastruktur, viel Natur. Und ganz ehrlich – die Kombi aus Stränden, Bergen, Regenwald und dieser ruhigen, freundlichen Stimmung dort hat mich schon beim Recherchieren abgeholt.
Wir haben unser Abreisedatum ziemlich früh festgelegt, weil meine Freundin im November noch ihren Medizinertest schreiben wollte. Also sind wir Ende November los. Amsterdam als Startpunkt nur deshalb, weil unsere Eltern uns hinfahren konnten. Der Flug war brutal lang – irgendwas um die 40 Stunden über Katar. Und dieser Jetlag hat uns die ersten Tage komplett ausgeknockt. Wir sind oft schon gegen 16 Uhr eingeschlafen, weil der Körper einfach dichtgemacht hat. Ich würde rückblickend jedem raten: am Anfang etwas entspannter rangehen. Eine Woche mehr Zeit nimmt viel Stress raus.
Angekommen – was jetzt?
Auckland hat uns dann direkt erschlagen. Hochsaison. Backpacker überall. Hostels voll. Alle suchten Autos. Alle wollten Jobs. Wir standen mittendrin, komplett überfordert und mit einer riesigen To-Do-Liste: Bankkonto, SIM-Karte, Auto finden, Unterkunft sichern. Ich erinnere mich an einen Moment, wo wir uns einfach auf den Bordstein gesetzt haben, einfach weil wir kurz nicht wussten, wo vorne und hinten ist.
Dann kam aber auch der erste kleine Erfolgsmoment: der Autokauf. Also zumindest dachten wir das. Ein Minivan, Self-Contained, ausgebaut, alles vorhanden. In der Realität: überteuert und vieles kaputt. Aber wir wollten unbedingt los. Und es gab auch die ersten lustigen Anekdoten – zum Beispiel das Auto, das wir vorher besichtigt hatten, bei dem ALLE Scheiben außer der Frontscheibe mit schwarzer Folie abgeklebt waren. Der Verkäufer meinte locker: „Ist super zum Schlafen.“ Wir konnten nicht mal in die Spiegel schauen. Das war der Moment, an dem ich dachte: okay, Auto kaufen als Zwanzigjährige ist wirklich ein Abenteuer.
Auf ins Abenteuer!
Kaum hatten wir unseren Van, sind wir direkt hoch Richtung Norden gefahren. Raus aus Auckland, rein ins Grüne. In der Nähe von Whangārei haben wir zwei Wochen auf einer kleinen Farm gelebt und gearbeitet – komplett off-grid. Strom aus Solar, Wasser aus einer Quelle, viel Gemüse, viel Natur und ein sehr spezieller, leicht esoterischer Vibe. Aber es war warmherzig, geerdet und tat richtig gut nach diesem chaotischen Start. Ich hatte vorher keine Ahnung, wie befreiend es sein kann, morgens aufzuwachen und einfach nichts anderes zu hören als Wind, Vögel und manchmal das Schnaufen eines Schafes direkt neben der Hütte.
Weihnachten haben wir dann ganz oben an der Spirits Bay verbracht. Das war einer dieser Orte, die man nie vergisst. Ein menschenleerer Strand, sonnig, warm, und der komplette Boden voller Muschelschalen, sodass der Sand rosa und gelb schimmerte. Wir haben am 24. gegrillt, während am Horizont Pferde am Strand entlang galoppiert sind. Das war einer der Momente, wo ich dachte: okay, genau dafür bin ich hergekommen.