Wie ich nicht von Seekrankheit verschont blieb

Morgens um halb sieben werde ich langsam wach. Nicht das Geschaukel des Boots weckt mich, sondern die Sonne, die mir durch eine Luke genau ins Gesicht scheint. Noch etwas früh zum Aufstehen. Andererseits interessiert mich was so in der Welt los ist, daher nehme ich mein Handy, gehe an Deck und versuche mich mit einem der vielen freien Wifi Netze zu verbinden. Während ich nur mit Boxershorts bekleidet mein Handy hin und her schwenke fahren ein paar grinsende Leute mit ihrem Dinghy vorbei und grüßen freundlich. Nach ein paar Minuten habe ich Glück und es trudeln eMails und einige Nachrichten aus sozialen Netzwerken ein.

Gestern ist die Klassik Regatta gestartet, das heisst Schiffe älteren Baujahrs sind ein Rennen auf einem bestimmten Kurs vor Falmouth Harbour gesegelt. Aus Interesse an den Klassikern haben wir uns mit unserem Boot unweit einer Wendeboje positioniert und ein paar Fotos gemacht. Der Seegang war meiner Meinung nach ganz ordentlich, denn das Boot hat stark in jede Richtung geschwankt und unter Deck ist einiges zu Bruch gegangen (unter anderem Eier, die ein Aroma wie nasser Hund verströmt haben). Nachdem die Flotte einmal an uns vorbeigezogen ist und sich alles, was schlecht verstaut war, am Boden gesammelt hat, drehen wir bei und fahren Richtung Süden. Diesmal unter Zuhilfenahme des Motors da wir genau in den Wind fahren.

Ein Klassiker ist auf der klassik Ragatta unterwegs

Ein Klassiker ist auf der klassik Ragatta unterwegs

Die Wellen rollen groß und schwer unter unserem Boot durch und der Motor treibt uns langsam voran. Der Bug hebt sich zum Himmeln, senkt sich Richtung Grund und hebt sich dann wieder zum Himmel. Gleichzeitig Schwanken wir so stark, dass das Deck regelmäßig geflutet wird. Ich sitze im Cockpit, halte mich an der Reling fest und mein Gesicht verliert langsam aber sicher jede Farbe. Der Skipper bemerkt dass, fragt ob alles in Ordnung ist und als ich verneine reicht er mit einen Eimer.
“Noch drei Stunden bis ans Ziel” meint er. Ich halte das keine drei Minuten mehr aus. Glücklicherweise ist Nelsons Dockyard nicht weit entfernt und wir brechen den Törn ab. Nach einer halben Stunde hört das Geschaukel endlich auf und ich bekomme wieder etwas Farbe. Der Eimer blieb leer. wer jetzt auf eine Eskalation gehofft hat, den muss ich leider endtäuschen 😉

Der Plan für heute

Für heute ist geplant diesen Törn fortzusetzen. Der Mittagspassat, den wir gestern voll mitgenommen haben, da die Regatta zu dieser Zeit stattfand, wühlte das Meer sehr auf daher versuchen wir ihn heute zu vermeiden und früher los zu segeln.

Ziel ist die Bucht bei Indian Creek, die zwar nicht weit entfernt, durch die Umstände aber nicht so leicht zu erreichen ist. Dort hat übrigens Eric Clapton sein Anwesen und ich spiele mit dem Gedanke paparazzimäßig für private Aufnahmen vor seinem Fenster herumzuklettern. Vorausgesetzt ich überstehe den Törn.

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