Bewerbung bei Atmosphere, Banff, ein Erfahrungsbericht

Ein Job, den ich als simpel bezeichnen würde, der aber doch einiges zu bieten hat und sich auf einem Lebenslauf sicher gut macht war zu der Zeit als ich von Vancouver Island aus nach einem Job gesucht habe ausgeschrieben. Ich rede hier von dem Outdoor Retailer Atmosphere, der übrigens auch in Banff sesshaft ist. Gesucht werden im Prinzip Verkäufer.

Der Laden stellt sich folgendermaßen vor:

Als einer der führenden Outdoor Retailer in Kanada bietet Atmosphere mehr als jede andere Firma. Warum? Weil wir top Marken, Professionelle Mitarbeiter, besten Kundenservice und eine Menge Spaß bieten.

Erfahrungen mit Atmosphere und die eigene Präsentation der Firma sind positiv und ich verfolge ein Stellenangebot das auf ihrer Website ausgeschrieben ist und mir neben guten Arbeitszeiten noch zahlreiche Mitarbeitervorteile verspricht.

Stellenausschreibung

Auf dem Jobportal von Atmosphere sind sämtliche Stellen ausgeschrieben die landesweit zu Verfügung stehen. Hat man sich hier durchgeklickt kommt man schnell zum Punkt an dem die Bewerbung beginnt. Nach einem Klick auf Apply geht’s los.

Bewerbung

In Deutschland ist dies eher unüblich aber bei Bewerbungen in Kanada ist es mir sehr häufig passiert, dass ich als erstes einen Account anlegen muss. Die folgenden Seiten geht man durch und sehtzt seine persönliche Präferenzen ein.

  1. Kontaktinformationen, also unter anderem Deutsche Adresse und eine lokale Telefonnummer
  2. Verfügbarkeit für jeden Tag der Woche. Ich habe mich hier jeden Tag für Vollzeit festgelegt
  3. Angabe der bisherigen Karrierelaufbahn mit Arbeitgebern von/bis und kurzer Jobbeschreibung
  4. Auf der Seite zur Teilnahmeberechtigung wird nach Visum, SIN und Interessen gefragt

Der Account ist damit angelegt und weiter geht es zum Assessment. Dieser Teil ist sogar für Bewerbungen in Kanada ungewöhnlich, daher fand ich es interessant einen Artikel über eben diese Bewerbung zu verfassen.

Online Assessment

Als Beispiel nun ein paar der Multiple Choice Fragen, die in Bewerbungsgesprächen nicht unüblich sind. Auf einer Website klicke ich mich durch sämtliche Fragen …

Frage: When my friends have a problem they come to me, instead of others, for help and advice.

Frage: I prefer to work by myself so I don’t have to deal with distractions from others.

Frage: In my experience, spending time organizing things just gets in the way of getting the real work done.

Ich gebe sämtliche Antworten so, dass sie mir gut zu dem Job passend, jedoch nicht zu sehr geschönt vorkommen. Es wird aber noch interessanter, da Fragen die man aus Intelligenztests kennt ebenfalls noch in den Katalog gemischt wurden. Hier ein Beispiel:
Frage: Now, a problem . . . Which letter comes next? v o v o w o w o ?

Ich tippe auf das x. Korrigiert mich wenn ich falsch liege.

Eine ermüdende Anzahl Fragen werden auf den nächsten Seiten gestellt. Manche Fragen werden wiederholt gefragt (möglicherweise um zu testen ob man wieder die gleiche Antwort gibt … ?) und es kommen noch andere Fragen in denen man beispielsweise entscheiden muss, welche der Formen Quadrat, Kreis, Dreieck oder Achteck nicht in die Reihe gehören. Nach Abschluss des Assessments bekomme ich eine Bestätigung und noch später eine Einladung zu einem Telefoninterview.

Telefoninterview

Dies ist absolut üblich, wenn man nicht vor Ort verfügbar ist. Und selbst dann sollte man mit einem Telefoninterview rechnen. Mein Interview habe ich geführt, als ich ich mit der Fähre von Vancouver Island zum Festland zurück gefahren bin. Mein Gesprächspartner hat mir unter anderem folgende Fragen gestellt:

  • Woher kennst du Atmosphere? das ist einfach erklärt da cih ja schon dort eingekauft habe und ein Freund dort arbeitet habe ich das eben so erzählt.
  • Erzähl doch mal etwas zu den ganzen Outdoor Aktivitäten die du aufgelistet hast? Ich habe auf meinem Resume Jogging, Rennrad fahren, Freeclimbing, Wandern, Campen, Skateboarding und weitere Sachen aufgezählt. Zu jedem haben ich kurz etwas erzählt.
  • Was würdest du als etwas besonderes beschreiben, was du mal gemacht oder erreicht hast? Das erstbeste was mir eingefallen ist, ist Work and Travel in Kanada, da es für Leute meines Alters eher unüblich ist stufe ich das als besonders ein. Ich habe also erzählt wie ich meine Lebensumstände geändert habe, um hier sein zu können.
  • Was für einen großen Erfolg hast du in letzter Zeit gefeiert? Den üblichen, in meiner alten Firma notwendigen Fortschritt schönigend habe ich das letzte größere Projekt als größeren Kraftakt herausgestellt, der von den Kunden anschließend entsprechend positiv empfangen wurde. Mir war der Faktor bezüglich großen Aufwand zu großem Erfolg wichtig. Natürlich habe ich das ganze noch mit Engagement, Überstunden und Teamwork schmackhafter gemacht.
  • Wie würdest du einem Kunden denn herausragende Dienste Leisten? Man muss den Gedanken fallen lassen, dass man nur Verkäufer ist. Auf eine Skala von null bis herausragend liegt man also bei herausragend wenn die Kasse klingelt und der Kunde glücklich ist. Ich habe also beschrieben, dass zum Beispiel weitere Produkte empfehlen würde. Beispielsweise bei Wanderern nie vergessen auf Bärenspray hinzuweisen.

Es wurde noch weitere, vergleichbare Fragen gestellt und das Interview dauerte sicher eine halbe Stunde und war aufgrund des freundlichen Gesprächspartners sehr angenehm. Viele Antworten wurden mit hervorragend oder sehr gut kommentiert was meines Wissens aber in Kanada so üblich ist.

Kurze Zeit nach dem Telefonat bekam ich eine Einladung zum Vorstellungsgespräch in der Filiale und die Anfrage nach drei Referenzen. Ich habe drei Vorgesetzte aus Deutschland angegeben die dann auch entsprechend kontaktiert wurden.

Persönliches Vorstellungsgespräch

Die Filiale ist in Banff, Alberta, Kanada. Ich habe den Termin auf den Tag nach der Jobmesse für Sunshine Village gelegt und bin morgens mit schwarzer Hose und grauem Hemd dort aufgetaucht. Es schien bereits alles festzustehen, so wurden nur noch letzte Formalitäten geklärt. Unter anderem kam die Frage ob ich Vollzeit oder Teilzeit arbeiten möchte. Da ich zu diesem Zeitpunkt noch keine weiteren Zusagen hatte sagte ich Vollzeit. Mein zu erwartendes Gehalt sollte bei 12$ pro Stunde liegen was etwas höher als Mindestlohn ist. Bei einer Gegenrechnung für Nahrungsmittel, Miete und Skipass ist dieser Job automatisch in die Kategorie Notlösung gerutscht. Ich habe trotzdem zugesagt. Schon alleine um zu wissen was als nächstes passieren wird.

Papierkrieg, der letzte Schritt und die Absage

Wie im letzten Gespräch vereinbart hat man mit alle Unterlagen für die Stelle zugeschickt. Ich musste nur noch unterschreiben und wäre drin. Das habe ich aber glücklicherweise nicht direkt gemacht, da sich in der Zwischenzeit noch weitere Möglichkeiten ergeben haben.

Schlussendlich habe ich noch eine Zusage von Sunshine Village erhalten, bei der Staff Accomodation auf dem Berg inkludiert ist und dort zugesagt. Atmosphere habe ich anschließend abgesagt.

Fazit

Da ich letztlich doch woanders hin gegangen bin war es war zwar viel Aufwand für nichts. Hätte ich aber keine anderen Möglichkeiten gehabt, so hätte ich die Position angenommen und parallel weiter versucht nach Sunshine Village zu kommen.

Grundsätzlich finde ich es wesentlich angenehmer sich eine Stelle aussuchen zu können als gezwungen zu sein die einzige, möglicherweise schlechteste Option wählen zu müssen.

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