Antigua an einem Tag sehen

Für meine Zeit auf dem Festland auf Antigua habe ich zwischenzeitlich versucht über Couchsurfing.org eine Unterkunft zu finden. Die meisten Antiguaner sind zwar bereit für ein Treffen aber Reisende aufnehmen möchte niemand so wirklich.  Bei meiner Suche habe ich Baba kennen gelernt, auch er kann niemanden aufnehmen weil sein Haus momentan ausgebucht ist. Trotzdem haben wir einen Tag ausgemacht an dem wir uns treffen, einen Jeep leihen und die Insel erkunden.

Wir fahren mit dem Jeep bis an den Strand

Wir fahren mit dem Jeep bis an den Strand

Unser Treffpunkt ist die Tankstelle an der Einfahrt zu Englisch Harbour. Ich weiss zwar nicht wie Baba aussieht aber ich habe ihm gesagt, dass auf meiner Hose die Australienflagge abgebildet ist und so wurde ich an der Tankstelle von einem “EEY, Markus!!” begrüßt. Da war er also, ein stämmiger Typ mit Flip-Flops, kurzen Hosen, einem weissen T-Shirt, Sonnenbrille und einer prall gefüllten Mütze die so groß war, dass noch ein zweiter Kopf hineingepasst hätte. Wir begrüßten uns per Handschlag und Baba startete breit grinsend einen nicht mehr enden wollenden Redefluss. Also auf zum Büro und einen Wagen leihen.

Jeder grüßt jeden. Immer

Wir fuhren los Antigua zu umrunden. Um nicht noch die 20$ für einen temporären Führerschein ausgeben zu müssen einigten wird darauf, dass Baba fährt. Mir wurde schnell klar, dass besonders die Hupe extrem wichtig ist und permanent zum grüßen benutzt werden muss. Wir fahren eine Straße runter und Baba tippt wild auf der Huber herum, um Fußgänger auf sich aufmerksam zu machen die der dann wild mit den Armen aus dem Fenster gestikulierend grüßt. Fahrzeuge aus der Gegenrichtung werden aus der Ferne schon per Lichthupe und aus der Nähe mit der Hupe gegrüßt. Aber egal wie und wo er rumgehupt oder geschrieen hat, seine Grüße wurden jedes Mal freundlich beantwortet. Zu der Frage warum er jeden Grüßt antwortet er: Weil er fast jeden kennt. Das wundert mich hier nicht.

Der unverständliche Dialekt

Gelegentlich aufkommende Gespräche zwischen den Einheimischen konnte ich nur staunend verfolgen, da ich nur manchmal einzelne Worte verstehen konnte. Baba erklärte mir, dass dieser Dialekt aus der Sklavenzeit stammt, in der sich Sklaven untereinander unterhalten wollten ohne dass ihre Herren sie stehen können. Da in manchen Sätzen englische Worte auftauchen und ich hier auf Antigua bin glaube ich ihm das mal (ich habe in der Richtung aber bisher keine Nachforschungen angestellt). Fest steht jedenfalls dass der erwünschte Effekt erzielt wird: Weder ich, noch Amerikaner oder Engländer können die Gespräche der Einheimischen verfolgen.

Sehenswürdigkeit: Babas Behausung in Freetown

Abgesehen von sämtlichen Sehenswürdigkeiten, die von Tourist sowieso immer angesteuert werden fand ich vor allem Babas Behausung interessant (Die vermutlich von den wenigsten angesteuert wird). Er besitzt ein kleines Stück Land, auf dem ein wiederum kleines Haus aus Stein steht.

Fender an der Decke, Schilder an der Wand und jede Menge Treibgut aus dem Meer

Fender an der Decke, Schilder an der Wand und jede Menge Treibgut aus dem Meer

Es bot vom Innenraum her weniger Platz als ich es von Zimmern eines Studentenwohnheims kenne. Aber hier, so sagt er, ist der Ursprung seiner Familie – ihr erster und ältester Besitzt, daher ist er stolz auf dieses Gebäude und hält es gut in Schuss. Drumherum stehen weitere Gebäude, z.B. eine noch kleinere Hütte mit Bett, Sofa und einem Regal darin. Hier bleiben manchmal Couchsurfer. Denen zuliebe hat er ausserdem ein Toilettengebäude errichtet das allerdings kein Dach hat.

Die Dusche steht mitten im Garten und sieht sehr dekorativ aus

Die Dusche steht mitten im Garten und sieht sehr dekorativ aus

Zuletzt ist noch die dekorative, freie Dusche erwähnenswert die mitten auf dem Hof steht. Durch das milde Klima bedingt kann die Dusche das ganze Jahr benutzt werden und Heizkörper hat er sowieso nicht. Nach der kurzen Führung ging es über die Schotterpiste zurück auf die Hauptstraße und heraus aus Freetown.

Ein Wort zur Kriminalität

Kriminalität scheint sich auf Antigua stark in Grenzen zu halten. Das hat bereits der Skipper angemerkt und Baba betont das ebenfalls. Seine Meinung ist, dass ein häufiges Problem die Kriminellen sind die aus ihrem Immigrationsland abgeschoben werden (z.B. Amerika) und kriminelle Angewohnheiten in ihr Heimatland mitbringen. Dazu kann ich nichts sagen. Mir ist lediglich aufgefallen, dass die Einheimischen hier sehr hilfsbereit sind. So wurde ich häufig im (oder auf dem) Auto mitgenommen weil ich suchend aussah oder weil mein Fussweg offensichtlich ansonsten sehr lang gewesen wäre. Ansonsten habe ich eher positive Erfahrungen gemacht (ausser vielleicht dass Baba am Abend dachte er könnte das Auto nun behalten. Das lies sich aber auch relativ schnell regeln).

Ich finde man sollte stets vorsichtig bleiben, da man mir hier trotz allem versucht hat Grass und Kokain zu verkaufen, mich zu Prostituierten mitnehmen wollte und man mir aus irgendwelchen unsinnigen Gründen Geld abnehmen wollte. Generell war das noch recht harmlos. Grundsätzlich ist die karibische Lebensgeschwindigkeit eigentlich sympathisch, das hört aber auf wenn man sich auf etwas verlassen muss oder auf einen Einheimischen angewiesen ist – denn dann hat man ein Problem. Mir gefällt die deutsche Mentalität wesentlich besser. Mag sein, dass man in Deutschland nicht alles und jeden grüßt, dafür kann man sich auf einander verlassen.

Fazit eines langen Tags

Einfach aufgrund der Tatsache, dass jemand unter der Woche den gesamten Tag Zeit hat einen Touristen durch die Gegend zu fahren, war ich Baba gegenüber misstrauisch. Das konnte ich schwerlich abstellen aber aufgrund seines durchgängig positiven Profils bei Couchsurfing.org habe ich es einfach als gegeben hingenommen. Da er sich auf der Insel gut auskennt, was ja von jemandem der sein ganzen Leben hier verbracht hat durchaus zu erwarten ist, haben wir die besten Orte angesteuert und an einem Tag alles gesehen was für Touristen interessant sein könnte. Das umfasst Strände, Mühlen und alte Forts. Ein Jeep war dafür in der Tat notwendig.

Am Abend waren wir noch auf einer Party und haben Freunde von ihm getroffen. Damit sind wir nachts noch mit zehn Leuten von Strand zu Strand gezogen. Alles in allem ein guter Tag.

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6 Gedanken zu „Antigua an einem Tag sehen

        • Danke! Ja 20h, da ich in New York umsteige und in Chicago eine Nacht verbringen muss. Ich bin natürlich nicht 20h in der Luft, so weit ist es ja nicht 🙂

  1. „I was walkin‘ down the street
    Concentratin‘ on truckin‘ right
    I heard a dark voice beside of me
    And I looked round in a state of fright…“
    Gruß aus DO
    Hans

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