Pannenmarathon auf dem Weg nach Darwin

Wir fahren Richtung Darwin, wo wir für Julia Arbeit und Unterkunft finden müssen und für unseren Van einen sicheren Ort an dem er für ein paar Wochen oder Monate stehen kann. Die Notlösung ist die, dass Julia den Van übernimmt, in ihm wohnen kann und einen Abstellplatz sucht, sobald sie weiter reisen möchte. Die Zeit wird knapp, denn es sind nur noch wenige Tage bis zum Flug. Und in dieser kurzen Zeit häufen sich die Pannen.

Darwin, Northern Territory, Australien

Jede Panne ist eine Reifenpanne, also nichts ernstes. Aber problematisch genug, um uns an der Weiterfahrt zu hindern.

Panne Nummer eins

Die erste Panne habe wir festgestellt, als wir gerade unseren Rastplatz verlassen wollten, um auf den Highway zurück zu fahren. Der rechte Hinterreifen war platt und die Luft so weit entwichen, dass er auf der Felge stand. Wir haben einen zwanzig Jahre alten, völlig spröden Ersatzreifen dabei den wir direkt einsetzen und fahren in den nächsten Ort.

Panne Nummer zwei

Der Ort besteht, wie so oft, nur aus einer Tankstelle und ein paar Häusern. An der Tankstelle angekommen machen wir uns schlau, wo wir Hilfe bekommen – und tatsächlich ist zwei Straßen weiter ein Reifenservice der zu dieser Zeit noch offen hat. Wir testen also noch schnell die restlichen Reifen und während Markus am linken Vorderreifen herumfummelt und den Kompressor anschließen will hat er das Ventil plötzlich in der Hand. Mit einem lauten Zischen entweicht die gesamte Luft und der zweite Reifen ist platt.

Da zwei von fünf Reifen platt sind und drei verbleibende nicht zum Fahren reichen fummeln wir das Ventil wieder an seinen Platz, hoffen das es sich nicht von alleine löst und pumpen den Reifen wieder auf. Mit dem unguten Gefühl, dass wir jede Augenblick liegen bleiben könnten fahren wir zum Service und erreichen ihn auch. Soweit so gut.

Der Mechaniker ist gleichzeitig Künstler und nur nebenbei in der Werkstatt tätig. Das erzählt er uns alles während er sehr langsam und kompliziert das alte Ventil unseres zuerst geplätteten Reifens durch ein neues ersetzt.

Der nicht reparierbare zweite Reifen

Den linken Vorderreifen kann er allerdings nicht reparieren, er bekommt ihn nämlich nicht abmontiert. Das heisst schnell noch einen anderen Reifenservice oder eine Werkstatt suchen die jetzt noch geöffnet hat und uns helfen kann. Zum Glück kann er uns eine nennen und so fahren wir nur ein paar Blocks die Straße runter und kommen an der nächsten Werkstatt an. Im Büro sitzt ein völlig überarbeiteter Mechaniker der uns erzählt dass er jetzt endlich Zeit für das BBQ mit seiner Familie haben will und uns deshalb heute nicht mehr helfen kann. Wir verlassen die Werkstatt also ohne eine Idee wie es nun weitergehen soll.

Anscheinend haben wir aber soviel Mitleid bei ihm erregt, dass er es sich noch anders überlegt hat. so kam er uns noch hinterher, sagte wir sollen auf den Hof fahren und hat sich dort des Reifens angenommen. Diesmal haben wir die schnelle Variante der Reifenreparatur erlebt. Das sah so aus, dass er den Van mit einem Gabelstapler angehoben hat, und den reparierten Reifen nach weniger als fünf minuten wieder angeschraubt hat. Ausserdem hat er uns aufgeklärt dass der andere Mechaniker ein Stümper ist da er nicht daruaf geachtet hat, dass die Schrauben linksdrehend gelöst werden müssen.

Problem also soweit gelöst. Zwei Reifen sind repariert und zwei sind Zeitbomben.

Panne Nummer drei

Auf dem Weg nach Katherine haben wir gecampt. Es ist viel zu weit, um die Strecke in einem durch zu fahren. Auf der anderen seite des Highways stand der Busch in Flammen aber dies ist der einzige Campingplatz vor Katherine. Wir bleiben also.

Neben unserem Campingplatz steht alles in flammen

Neben unserem Campingplatz steht alles in flammen

Trotz dem Feuer campen wir hier ... und sind damit nicht die einzigen

Trotz dem Feuer campen wir hier … und sind damit nicht die einzigen

Am nächsten Morgen war ein weiterer Reifen platt, diesmal der zweite Hinterreifen. Das heisst also wieder den Reifen wechseln und hoffen, dass die restlichen Reifen bis Katherine durchhalten. Der Reifen hat gehalten und so haben wir gegen 17:00 Uhr den kleinen Ort erreicht und direkt Ausschau nach einer Werkstatt gehalten. Die Einzige bei der wir jemanden erreicht haben war aber nicht mehr zu gebrauchen, weil der Mechaniker sich bereits mehrere Cocktails gegönnt hat und nicht die Verantwortung für den Fall übernehmen wollte, dass er in betrunkenem Zustand beim Reifenwechsel einen Fehler macht. Wir bekamen diesmal also keine Hilfe, mussten aber trotzdem möglichst schnell nach Darwin weiter, da zweieinhalb Tage bis zum Flug schon recht knapp war, um noch alles zu organisieren.

Wir sind also noch am Abend weiter gefahren. Da Markus schon zu müde war, um noch längere Strecken zu fahren und Corinna bereits schlief hat Julia das Steuer übernommen. Nach für Minuten auf dem Highway, bzw. Julias ersten fünf Minuten überhaupt in Australien am Steuer, legte sie bereits eine Vollbremsung hin bei der der Van sich auf der Straße quer stellt. Vor uns war eine Herde Kühe auf der Straße. Gut reagiert. Nachdem die Straße frei wurde fuhren wir noch ein paar Stunden bevor wir kurz vor Darwin einen Campingplatz erreichten.

Panne Nummer vier

Am nächsten Morgen war kein weiterer Reifen platt. Ein Glück. Wir fuhren also weiter aber schon nach wenigen Minuten hörten wir ein lautes Zischen von vorne rechts. Klang irgendwie nach Insekten. Aber Markus hielt sofort an, sprang aus dem Wagen und fummelte am Ventil des Reifens herum – und das Zischen hörte auf.

Ein guter Platz zum versacken. Es gibt Mc Donalds ...

Ein guter Platz zum versacken. Es gibt Mc Donalds …

Damit haben wir nun also keinen Ersatzreifen mehr und einer der Vorderreifen hält seine Luft nur noch, weil das Ventil eben in den richtigen Winkel gedrückt wurde. Wir fahren weiter. Samstag nachmittag; kein Reifenservice ist mehr erreichbar; Sonntags ist auch alles geschlossen und zu allem Überfluss ist Montag ein Feiertag. Darwin haben wir noch erreicht und uns dort einen Platz gesucht, an dem wir stecken bleiben würden wenn das Auto länger steht. Um das noch hinauszuzögern haben wir den Van beim gefährdeten Reifen aufgebockt und uns auf Probleme eingestellt.

Auf der anderen Seite des Highways ist ein Wasserpark

Auf der anderen Seite des Highways ist ein Wasserpark

Stressbewältigung

Wenn man in Darwin bei perfektem Wetter feststeckt und an seiner Situation nichts ändern kann gibt es eigentlich nur eins, was man machen kann. Wir gehen also erstmal im kostenlosen Wasserpark auf der anderen Straßenseite schwimmen. Vielleicht hat ja in der Zwischenzeit jemand eine gute Idee.

Die Rettung, reiner Zufall

Wir kamen vom Schwimmbad zurück und neben unseren Van bastelten ein paar Jugendliche an ihrem Jeep herum der irgendwie nicht starten wollte. Corinna fragte einen der Jungs, der nach dem Eigentümer aussah, ob er nicht vielleicht jemanden kennt der Reifen reparieren kann. Und tatsächlich arbeitete sein Vater für einen mobilen Reifennotdienst. Wir machten einen Termin klar und versicherten dass es nicht schlimm ist wenn er sich ein bisschen verspätete – wir bleiben ganz sicher wo wir sind.

Die Kohlen auf denen wir saßen wurden langsam heisser denn aus einer möglichen Verspätung wurde ein ganzer Tag. Aber letztlich kam er. Ein mobiler Reifenservice. Er hatte alles dabei um unser Reifenproblem zu lösen.

Es wurde mehr als nur das Problem mit den Reifen gelöst

Drei Probleme bestanden noch: Julia musste Arbeit finden, brauchte ein Dach über dem Kopf und unser Van musste einen Stellplatz finden. Bei allen Problemen konnte der Mechaniker uns helfen. Für Julia schlug er uns eine Farm im Outback vor an der regelmäßig Backpacker arbeiten und für unseren Van empfahl er uns bei seinem Arbeitgeber zu fragen. Der hat nämlich einen so großen Hof, dass es sicher kein Problem ist dort einen Van abzustellen.

Julias Farm, es sind bereits zahlreiche Backpacker hier

Julias Farm, es sind bereits zahlreiche Backpacker hier

Wir haben es also noch geschafft einen Stellplatz zu finden. An der Farm, die uns für Julia empfohlen wurde wurden wir zwar nicht besonders freundlich empfangen aber es sah so aus als könnte sie hier eine Weile bleiben. Für einen recht geringen Preis bekam sie ausserdem ein Zimmer.

Wir packen bis spät in die Nacht unsere Sachen zusammen. Morgen geht es zeitig zum Airport

Wir packen bis spät in die Nacht unsere Sachen zusammen. Morgen geht es zeitig zum Airport

Damit waren unsere wichtigsten Probleme gelöst und wir bereiteten uns langsam auf den Abflug vor. Morgen geht unser Flieger nach Singapur.

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